| Umfrage: Macht Weihnachten krank? | |
| 29.12.2003 - 05:39 , FGS | |
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Wie gesund leben die ÖsterreicherInnen zur Weihnachtszeit? Macht uns „die stillste Zeit des Jahres“ krank? Der Fonds Gesundes Österreich befragte über das Meinungsforschungsinstitut ISMA Anfang Dezember 2003 insgesamt 500 ÖsterreicherInnen im Rahmen einer bundesweiten telefonischen Umfrage. „Die Umfragedaten zeigen starke Widersprüche. Fast alle ÖsterreicherInnen wünschen sich besinnliche Tage im Kreis ihrer Lieben, erleben aber oft Hektik und Konsumzwang. Wunsch und Wirklichkeit klaffen oft weit auseinander. An den Feiertagen wird gern über die Stränge geschlagen, dies soll anscheinend durch ‚gesunde’ Neujahrsvorsätze wieder wettgemacht werden“, fasst Dennis Beck, Geschäftsführer des Fonds Gesundes Österreich, die Ergebnisse der Umfrage zusammen. „Nicht zu leugnen ist, dass die mit hohen Erwartungen befrachtete Weihnachtszeit manchen Menschen sozialen, psychischen und oder physischen Stress bescheren kann.“ Im Advent und zu Weihnachten sehnen sich die ÖsterreicherInnen nach Harmonie und Spiritualität: 94% wünschen sich mehr Stille und Besinnung, mehr als 90 Prozent möchten mehr Zeit mit Familie und FreundInnen verbringen und 73% würden gern den religiösen und traditionellen Charakter von Weihnachten stärker betonen. Dieser Erwartung steht allerdings eine nüchterne Einschätzung der Realität gegenüber: während 53% der ÖsterreicherInnen den Advent tatsächlich als „stillste Zeit“ erleben, lehnen 47% diese Charakterisierung ab. Hier zeigt sich eine Kluft zwischen PensionistInnen und Berufstätigen. Denn 74% PensionistInnen erfahren den Advent als besinnlich, aber nur 39% der in Ausbildung Befindlichen. 58% der Berufstätigen verbinden die Vorweihnachtszeit mit Stress und Hektik. Drei Viertel der ÖsterreicherInnen stellen fest, dass „Weihnachten seinen eigentlichen Sinn verloren hat“, weil der Konsumgedanke die Oberhand gewonnen hat. Besonders kritisieren den Kaufrausch allein lebende Menschen sowie GroßstadtbewohnerInnen. Auch 72% derjenigen, die den Advent für die stillste Zeit im Jahr halten, räumen ein, dass Weihnachten primär durch die Kommerzialisierung gekennzeichnet ist. Und so sind 36% der ÖsterreicherInnen „froh, wenn Weihnachten wieder vorbei ist”. Die düstere Seite des Familienfestes – Weihnachten als Zeit der Einsamkeit, des Streit und der Traurigkeit – nehmen 39% der ÖsterreicherInnen wahr. Jüngere Befragte im Alter bis zu 29 Jahren sehen diesen negativen Aspekt nur zu 28%, Pensionisten hingegen zu 41%. Traurigkeit, Streit und Einsamkeit fürchten tendenziell häufiger verwitwete und alleinstehende Personen im Vergleich zu Menschen in Haushalten mit zwei Personen und mit Kindern. Für 7% der ÖsterreicherInnen ist die Weihnachtszeit Auslöser für depressive Verstimmungen, bei den allein Lebenden gilt das für jeden Zehnten (11%). Ein Viertel der Personen, die zu Weihnachten depressiv sind, fürchten das Alleinsein. 68% der Menschen mit „Weihnachtsdepressionen“ sind „froh wenn Weihnachten wieder vorbei ist.” 8% der ÖsterreicherInnen haben davor Angst, Weihnachten alleine zu verbringen. 3% müssen die Weihnachtstage ganz allein verbringen. Obwohl die traditionellen Familientreffen nach wie vor auf hohe Akzeptanz stoßen – 91 % der ÖsterreicherInnen sind zu Weihnachten mit ihrer Familie zusammen – birgt die familiäre Geselligkeit auch Konfliktstoff: Mehr als ein Viertel der ÖsterreicherInnen (27%) gibt zu, durch die üblichen Verwandtenbesuche in den Weihnachtsfeiertagen ordentlich genervt zu sein. Bei den in Ausbildung befindlichen Befragten fühlen sich sogar 41% davon belästigt, wohl deshalb, weil diese Besuche nicht immer freiwillig erfolgen. 60% der Personen, die zu Weihnachten innerfamiliäre Konflikte erwarten, beurteilen Verwandtenbesuchen negativ. Jede/r fünfte ÖsterreicherIn (20%) würde am liebsten dem Weihnachtstrubel entgehen und weit weg in den Urlaub fahren. Ans Verreisen denken verstärkt junge Menschen – 37% der in Ausbildung stehenden sind den „Festtagsflüchtlingen” zuzurechnen. Die Hälfte der ÖsterreicherInnen (49%) essen während der Weihnachtsfeiertage zu viel und ungesund, wobei Männer (53%) häufiger zu oft zulangen. Opulente Festmahle haben eine sozialen Aspekt: während in 56% der Mehrpersonenhaushalte zuviel und ungesund aufgetischt wird, ist dies „nur“ bei 28% der Singlehaushalte der Fall. .„Nach den Weihnachtsfeiertagen habe ich meistens zu viel zugenommen“ gestehen 30% der ÖsterreicherInnen ein. Gesundheitsbewusstsein ist eher bei der älteren Generation zu finden: 35% der jungen Befragten, aber nur 16% der über 70jährigen berichten von saisonal bedingter Gewichtszunahme. Auch bei Spaziergängen und körperlicher Bewegung gibt sich die Jugend zu Weihnachten faul: 27% der Befragten über 69 Jahre geben an sehr viel für ihre Fitness zu tun, bei Personen, die in Ausbildung stehen sind es nur mehr 14%. 18% der Befragten geben zu, in den Weihnachtsfeiertagen zu viel Alkohol zu trinken und ein Viertel gibt vage an „eher nicht“ zu viel zu trinken. 58% beschreiben sich als relativ abstinent, davon mehr Frauen mehr als Männer, mehr ältere als jüngere Befragte. Insgesamt beurteilen die ÖsterreicherInnen ihren Lebensstil zu Weihnachten kritisch: „In den Weihnachtsfeiertagen lebe ich alles in allem gesehen eher ungesund” wird von 36% der Befragten bejaht. Die stärkste Zustimmung findet diese Feststellung bei den bis zu 29 Jährigen. (57%) und MaturantInnen bzw. AkademikerInnen (49%). Etwas weniger als die Hälfte der ÖsterreicherInnen (43%) hat – bereits – gute Vorsätze für das Jahr 2004 gefasst, 57% haben das (noch) nicht gemacht. Während jede zweite Frau (48%) gute Vorsätze für das Neue Jahr hat, so ist das bei den Männern nur in etwa jeder Dritte (37%). Die Hälfte der ArbeiterInnen (48%) haben bereits konkrete Neujahrsvorsätze entworfen, während dessen nur etwas mehr als ein Viertel der Freiberufler und Selbstständigen (28%) das schon getan haben. Über zwei Drittel (69%) aller Neujahrsvorsätze betreffen die Gesundheit. Neben dem traditionellen Neujahrswunsch wie „gesund bleiben” (27%) oder dem eher diffusen „gesünder leben” (10%) wollen 11% aufhören zu rauchen. Jede/r Zehnte nimmt sich vor, mehr Bewegung machen und nahezu ebenso viele (9%) Gewicht abzunehmen. Gesündere Ernährung (4%) und seelische Gesundheit durch Stressvermeidung (3%) werden relativ selten genannt. 42% der ÖsterreicherInnen haben neben gesundheitsbezogenen auch andere Vorsätze gefasst: 11% hoffen auf Glück und Zufriedenheit in der Familie, gewünscht werden auch Erfolg im Beruf und im Studium, Arbeit zu finden bzw. den Job zu wechseln. Angeführt werden weiters Vorsätze wie persönliche Fehler zu vermeiden sowie Konsum- und Urlaubsvorhaben. Übrigens nehmen sich nur 3% vor, im Neuen Jahr zu sparen bzw. Schulden abzubauen. Darüber, ob man diese Vorsätze auch verwirklichen und längere Zeit durchhalten kann, herrscht gedämpfter Optimistismus. Nur jede/r Fünfte (22%) ist sich „ganz sicher“, dass den guten Vorsätzen auch konkrete Taten folgen. Immerhin fast die Hälfte (46%) hält dies für „eher sicher“. Genau ein Viertel (25%) antwortet vorausahnend mit „eher unsicher“ und 3% der Befragten resignieren mit einem klaren „ganz unsicher“. Weitere 4% wollen oder können keine Prognose abgeben. Eher bis sehr skeptisch, was ihre Willenskraft betrifft, sind Befragte mit Nichtraucher-Vorsätzen (42%) und Personen, die abnehmen wollen (54%). „Die ÖsterreicherInnen haben ambitionierte Vorsätze für das Neue Jahr. Die Jahreswende wäre ein günstiger Zeitpunkt, um ungesunde Gewohnheiten zu überdenken und sich selbst zu zu einem gesünderen Lebensstil zu ermutigen“, schließt Dennis Beck. Fonds Gesundes Österreich, 18.12.2003. (jz) R.O Linkipp: www.fgoe.org |
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